Geschützten Lager- und Transportbehälter mit einer Cloud-Installation© BWI GmbH/ Björn
Digitale Souveränität

Cloud-Strategie: Bundeswehr und BWI setzen Fokus auf Open Source

2 min
18. März 2026

Bundeswehr und BWI haben ihre strategische Ausrichtung für die kommenden Jahre festgelegt. Langfristig konzentrieren sie sich beim Aufbau der Multi-Cloud-Plattform für Wehrverwaltung und Streitkräfte vermehrt auf Open-Source-Lösungen. Die Zusammenarbeit mit Industriepartnern (Dual-Vendor-Ansatz) bleibt bestehen.

Die BWI baut für die Bundeswehr eine Cloud-Infrastruktur auf, über die sie in Zukunft ihre IT-Service bereitstellt – vom Inland bis auf das Gefechtsfeld. Um Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu verringern, die Interoperabilität zu strategischen Partnern wie der NATO sicherzustellen, Cloud-Dienste möglichst flexibel verteilen zu können und je nach Anwendungsfall die sicherste und wirtschaftlichste Lösung einzusetzen, verfolgen Bundeswehr und BWI einen Multi-Cloud-Ansatz. Welche Technologien dabei zum Einsatz kommen, haben Bundeswehr und BWI nun strategisch festgelegt.

Drei technologische Säulen

Die „private Cloud der Bundeswehr“ (pCloudBw) wird aus drei Technologie-Stacks, das heißt technologisch unterschiedlichen, voneinander getrennten Cloud-Systemen, bestehen. Jeder der drei Stacks nutzt eigene Technologien, entweder von den Herstellern VMware und Google Cloud oder auf Open Source basierende Software. 2025 hat die BWI den ersten der drei Anteile in Betrieb genommen. Dieser auf Cloudsoftware von VMware basierende Stack stellt die Grundbefähigung der pCloudBw dar, die erste Ausbaustufe sozusagen. Für den Aufbau des zweiten Stacks arbeitet das IT-Systemhaus seit letztem Jahr mit Google Cloud zusammen. Der auf der Lösung „Google Cloud Air-Gapped“ basierende Anteil soll 2027 in Betrieb gehen und wird im ersten Schritt die Cloud-Plattform für das SAP-System der Bundeswehr bilden.

Zudem setzt die BWI in den nächsten Jahren verstärkt auf Open Source Software. Mitte 2024 hat sie mit Vorarbeiten für die „Open Defense Cloud“ (ODC) begonnen, bei der die BWI mit Industriepartnern und Open-Source-Projekten aus Deutschland und Europa kooperiert. Zunächst wird sie eine mobile Lösung (Edge) bereitstellen, mit der Soldatinnen und Soldaten zukünftig in Einsätzen auf Cloud-Dienste zugreifen können. Der Demonstrator dieser Lösung wird bereits seit letztem Jahr auf internationalen militärischen Übungen erprobt und nun stetig weiterentwickelt. Später werden verlegefähige (Fog) und stationäre (Core) Infrastrukturen in den Rechenzentren der Bundeswehr folgen. „Mit dem Aufbau der Open Defense Cloud gehen wir den nächsten Schritt entlang unseres Multi-Cloud-Ansatzes. Wir wollen damit schnell ein größtmögliches Maß an Sicherheit, Flexibilität und Modularität für die einsatznahe IT der Bundeswehr erreichen“, sagt Dr. Götz Reinhäckel, Leiter Cloud Transformation und Open Source bei der BWI.

Beitrag zur europäischen Souveränität

Der Mix aus Open-Source-Produkten und der Zusammenarbeit mit Industriepartnern ist für Bundeswehr und BWI das Mittel der Wahl. „Unsere erklärten Ziele sind Handlungs- und Wahlfreiheit. So reduzieren wir technische sowie wirtschafts- und geopolitische Abhängigkeiten. Das ist unser Verständnis von digitaler Souveränität“, sagt Dr. Jens Woch, Leiter I3.4 im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Um Entwicklungspartnerschaften auszubauen, ist die BWI nun als Premier Member der NeoNephos Foundation beigetreten. Die Stiftung, die Teil der Linux Foundation Europe ist, hat das Ziel, Innovation von offenen Cloud-Infrastrukturen, Cloud-nativen Technologien sowie die digitale Souveränität und Zusammenarbeit in Europa zu fördern. Sie geht auf das zentrale digitalpolitische Projekt der Europäischen Union „Important Project of Common European Interest for Next Generation Cloud Infrastructure and Services“ (IPCEI-CIS) zurück. „Indem Bundeswehr und BWI auf Open Source setzen und eigenen Code in das Open Code Repository des Bundes einbringen, stärken wir nicht nur unsere, sondern auch die digitale Souveränität Deutschlands und Europas. Und public money, public code ist ohnehin eine gute Idee“, so Dr. Jens Woch.

Das könnte Sie auch interessieren: